Foto: Nele Gülck

Freitag, Oktober 26, 2018 - 19:00

Der gute Berg

Fotografie Forum Frankfurt
Braubachstraße 30-32
60311 Frankfurt am Main

Die Fotografin Nele Gülck und der Journalist Nikolai Antoniadis aus Hamburg erzählen in ihrem geplanten Buch „Der Gute Berg“ von einem besonderen Ort. In einem abgelegenen muslimischen Bergdorf im Süden Albaniens haben die Einwohner ein kleines Haus im nahen Wald errichtet. Dieser „heilige Ort“ steht allen Religionen offen. Tatsächlich kommen katholische und orthodoxe Christen aus den Nachbardörfern hierher, Muslims und Sufis und sogar überzeugte Anhänger der alten Hoxha-Diktatur. Doch die religiöse Toleranz, die die Menschen hier üben, spiegelt nicht etwa einen universellen Toleranzgedanken – denn die Bewohner dieser Bergregion, in die nicht einmal eine Straße führt, sind häufig noch in archaischen Mentalitäten verwurzelt. Dieses Nebeneinander von Gegensätzen ist typisch für Albanien; ebenso wie die Fähigkeit, sie auf erstaunliche Weise zu überwinden.

Im Fokus von Nele Gülck und Nikolai Antoniadis stehen der besondere Umgang mit Religion, mit traditionellen und modernen Geschlechterrollen sowie Fragen nach Identität, Gemeinschaft und Gegensätzen. An diesem Abend berichten sie mit vielen Fotos von Begegnungen und Eindrücken am Guten Berg.

Nele Gülck, geboren 1979, arbeitet seit ihrem Studium des Kommunikationsdesigns an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg als Bildredakteurin und freie Fotografin. In ihren Arbeiten nähert sie sich gesamtgesellschaftlichen Phänomenen und verweist dabei immer wieder auf innere menschliche Zustände. Ihre Arbeiten wurden in nationalen und internationalen Ausstellungen gezeigt.

Nikolai Antoniadis, geboren 1971, lebt als freier Journalist in Hamburg. Lange schrieb er vor allem über Stadtentwicklung und Architektur. Im Zuge wachsender Fremdenfeindlichkeit und Islamophobie beschäftigt er sich aber inzwischen schwerpunktmäßig mit Fragen religiöser Toleranz und Identität, vor allem auf dem Balkan. 2017 erhielt er das Alice Boner Stipendium des Goethe-Instituts in Varanasi, Indien, wo er demselben Phänomen nachging, das ihn auch nach Albanien geführt hat: Orte, die von mehreren Religionen gleichzeitig genutzt werden. Seit 2015 arbeiten Nele Gülck und Nikolai Antoniadis als Team mit dem Schwerpunkt Balkan zusammen. Gemeinsam erhielten sie 2017 das Grenzgänger Stipendium für Südosteuropa der Robert Bosch Stiftung.

Foto: Enrico Marinelli

Mittwoch, November 14, 2018 - 19:00

Die GELD-Pilgerreise

GLS-Bank
Mainzer Landstraße 47
60329 Frankfurt am Main

Acht Wochen lang war die Künstlerin Anna Poetter, teilweise begleitet vom Schweizer Filmemacher Heinz Gubler, als Geld-Pilgerin von Zürich über viele Stationen nach Frankfurt unterwegs. Gereist ist sie per pedes und per Anhalter, mit dem Zug, dem Frachtschiff und dem Geldtransporter sowie mit der Zollinspektion Lindau. Geschlafen hat sie im Zelt, im Tresorraum, im Brenners Park Hotel in Baden-Baden und in einer Flüchtlingsunterkunft. Ihre Dauerperformance mit Pilgermantel und Handwagen galt dem Phänomen des Geldes und ist der dritte Teil der Trilogie „Ofrenda“, in der sich Poetter mit der Bedeutung von „Opfer“ in unserer Gesellschaft befasst. In diesem abschließenden Projekt geht es um das „Allerheiligste“: Geld. Neben vielen Interviews mit ExpertInnen aus der Finanz- und Wirtschaftswelt waren ihr dabei die Momente spontaner Interaktionen mit Menschen wichtig. Der Abend wird von Pfarrer Dr. Gunter Volz, Frankfurt, moderiert. Zwischen den Filmausschnitten wird Anna Poetter von ihren Erlebnissen und Erkenntnissen berichten, und die Zuhörer sind eingeladen, mit ihr in Dialog zu treten.

Die GELD-Pilgerreise wurde 2014 von maecenia gefördert, ebenso die Ausstellung „Brot und Spiele # Church of Money“ im Oktober 2017 im House of Finance an der Goethe-Universität.

Dieser Abend ist eine Kooperation mit der GLS-Bank.

Um Anmeldung wird gebeten bei www.gls.de unter Aktuelles – Alle Termine – Veranstaltungsort Frankfurt.

Anna Poetters Arbeiten sind multimedial und installativ. Die ausgebildete Schauspielerin, die seit 2015 Bildhauerei an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg studiert, inszeniert Performances mit theatralen Elementen und raumspezifische Installationen mit Objekten und zeitbasierten Medien. Seit 2015 studiert sie Bildhauerei bei Prof. Ottmar Hörl an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg und erhielt 2018 den Meisterschülerin-Titel.

Heinz Gubler ist nach seiner Theaterregieausbildung in London als Regisseur und Lehrbeauftragter für Theater und Film tätig. Neben Theaterstationen in London und der Schweiz führten ihn Aufträge auch nach Frankfurt an das Schauspiel Frankfurt und die Hochschule für Musik und Darstellende Kunst. In Zürich leitet er mit „Gubcompany“ ein eigenes Theater und engagiert sich darüber hinaus in vielen freien multimedialen Projekten. So dokumentierte er auch Anna Poetters Pilgerreise mit seiner Kamera.

Foto: Max Christmann

Mittwoch, Dezember 5, 2018 - 19:30

Die Anatomin

Zentralbibliothek der Stadtbücherei Frankfurt am Main
Hasengasse 4
60311 Frankfurt am Main

Zur Zeit der Aufklärung war sie eine gefeierte Wissenschaftlerin und Künstlerin: Die Italienerin Anna Morandi Manzolini (1714-1774). Ihr Leben und ihre Leidenschaft widmete sie der Anatomie und dem Modellieren anatomischer Wachsmodelle; darin wurde sie zu einer der Besten ihrer Zeit. Sie verfolgte als eine von nur wenigen Frauen eine akademische Karriere und lebte mit ihrem Ehemann in einer gleichberechtigten Partnerschaft. Doch beständig musste sie gegen die gesellschaftlichen Grenzen des Frauseins ankämpfen, und über die Jahrhunderte geriet sie in Vergessenheit – bis ihr Werk Anfang des 21. Jahrhunderts wiederentdeckt wurde. Der Dokumentarfilm „Die Anatomin“ (Arbeitstitel) von Iris Fegerl gibt Einblick in das berufliche und private Leben Morandis und erzählt von den Herausforderungen, denen sie als Wissenschaftlerin, Ehefrau und Mutter begegnete. Ihre Geschichte hat auch über zweihundert Jahre nach ihrem Tod nicht an Aktualität verloren. Iris Fegerl berichtet von ihren Recherchen und der Arbeit am Film und zeigt Ausschnitte daraus.

Das Filmvorhaben wird 2018 von maecenia unterstützt.

Hin- und hergerissen zwischen Naturwissenschaften und Kunst studierte die gebürtige Wienerin Iris Fegerl zunächst Pharmazie und gestaltete nebenbei Performanceprojekte mit. Nach Abschluss des Pharmaziestudiums ging sie nach Berlin, um als Medienkonzepterin und Multimediaautorin für den Springer Fachverlag tätig zu werden. In dieser Zeit packte sie die Leidenschaft des Filmemachens, sodass sie mit dem Regiestudium an der Filmakademie Baden-Württemberg begann. Sie produziert Kurz- und Dokumentarfilme, immer wieder auch zu medizinischen Themen.